Salam Ayman!

Ich bin in Jenin und damit auf palästinensischer Seite. Ein Sherut (minibus) hat mich gestern von Nazareth über die Grenze hierhin gebracht. Ayman ist der Besitzer des Cinema Jenin Guesthouse und ein kompetenter Führer durch das Flüchtlingscamp und die Altstadt. „Salam Ayman“ tönt uns überall entgegen, während wir unterwegs sind. Etwa 14.000 Menschen leben auf einer Fläche von etwa einem Quadratkilometer im Lager, mitten und nicht abgeriegelt vom sonstigen Stadtgebiet. (Da ich hier kaum die Hintergründe weitergeben kann: wer mehr erfahren möchte über die Intifada usw., bitte googeln).

Am Rand des Camps liegt das berühmte Freedom Theatre, dessen  Leiter 2011 von einem Unbekannten erschossen wurde. Ich hätte mir gerne ein Stück von ihnen angeschaut, aber die nächste Vorstellung ist erst morgen Abend. Auch das Cinema Jenin, zu dem das guesthouse gehört, ist international bekannt. Diverse Filmprojekte mit deutscher Unterstützung wurden hier realisiert (auch alles mal googeln, gibt auch eine deutsche Website!). Und auch Ayman hat schon in einem Film mitgespielt.

Unser Rundgang endet mit Knafeh, natürlich ebenfalls bei Freunden von Ayman . Das Gebäck mit Käse und Honig ist unglaublich lecker und ersetzt locker mein Abendessen. Shukran Ayman, danke Ayman, für die Zeit in Jenin!

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Haifa von oben

Die Dinge haben sich ein wenig überschlagen in den letzten Tagen:  höchste Zeit für ein Update! Nein, ich bin hier nicht generell mit dem Fahrrad unterwegs – nur einen Tag in Tel Aviv – und leider auch nicht mit dem Motorrad. Meine Recherchen vorher ergaben, dass es überhaupt nur einen einzigen Verleiher gibt und die Preise jenseits meines Budgets liegen. Aber wie es so ist, lernte ich im Hostel in Jaffa zwei Biker kennen, die hier leben und mir erklärten, das sei ja wohl kein Hindernis. Ich hätte mich doch auf dem Landweg nach Piräus aufmachen und von dort die Fähre nach Haifa nehmen können. Womit sie natürlich Recht haben. Alles nur eine Frage der Zeit.

Haifa war allerdings ein gutes Stichwort, denn das war ohnehin mein nächstes Ziel. In der größten Hafenstadt Israels hätte ich also mit dem Bike per Schiff ankommen können, wie schon die ersten deutschen Templer im 19.Jh. und all die Flüchtlinge, die mit Beginn der Naziherrschaft gezwungen waren, Europa zu verlassen. Haifa besitzt einen natürlichen Hafen und die Stadt zieht sich den steilen Mount Carmel hinauf. Natürlich wollte ich den Blick von ganz oben haben und da bekam ich passenderweise Besuch aus Tel Aviv. So kurvte ich dann doch auf zwei Rädern, wenn auch nur als Sozia, den Berg hinauf – auf der Rückbank einer Teneré und selbstverständlich mit Helm! Grandios war’s!

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Tel Aviv Street Art

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Die Jaffa-Kiste gibt’s nicht mehr

Als Orangen noch Apfelsinen hießen, war die dazugehörige Kiste das Symbol für unkonventionelle Einrichtung. Heute kommen aus Jaffa oder Yafo, wie die Israelis sagen, längst keine Orangen mehr, aber die über 4000 Jahre alte Stadt ist mehr als sehenswert und auch ein perfekter Standort um Tel Aviv zu erkunden – am besten mit dem Rad!

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Mit Indien im Herzen nach Hause

Morgen früh um sechs Uhr geht mein Flieger nach Delhi und dann weiter nach Frankfurt. Reich beschenkt werde ich Indien verlassen, denn ich habe in den vergangenen vier Wochen hier so viele schöne und bewegende Begegnungen gehabt, die ich im Herzen behalten werde. Erinnern werde ich mich vor allem an das Lächeln der Menschen. Davon packe ich auf jeden Fall eine große Menge für Deutschland ein. Und wenn der Vorrat aufgebraucht ist, komme ich einfach wieder!

Ich verabschiede mich mit einem fetten Namaste und sage zum letzten Mal gute Nacht aus Pulinkudi.

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Bethsaida hilft

Theresa ist hier bekannt wie ein bunter Hund. Sie engagiert sich im Schweizer Verein „Freundschaft mit Indien“ und ist bereits zum sechsten Mal hier im Bethsaida. Sie kennt viele der Angestellten und ihre familiären Hintergründe und unterrichtet sie auch regelmäßig in Deutsch. Ihr Verein, von dem es inzwischen auch einen deutschen Ableger gibt, unterstützt seit fast zehn Jahren die Hilfsprojekte hier vor Ort.

Genau diese vom Bethsaida initierten und finanzierten Projekte, waren für mich der Grund, mich für diese Anlage zu entscheiden. Denn so kann ich mit meinem Aufenthalt einen Teil dazu beitragen.

Heute habe ich mir das Waisenhaus der Jungen, das gleichzeitig auch eine Schule ist, persönlich angeschaut. Hier sind 250 Jungen im Alter zwischen etwa neun und 17 Jahren untergebracht. Die meisten von ihnen sind keine echten Waisen, sondern kommen aus sehr armen Familien und bekommen hier eine gute Schulbildung finanziert.
Wir treffen die Jungen nach dem regulären Unterricht und schauen uns ihre Klassen- und Schlafräume an. Die Regeln sind streng, aber so schafft fast jeder erfolgreich einen Abschluss und hat damit gute Chancen auf eine Ausbildung. Einige von ihnen wechseln danach vielleicht auf die Hotelfachschule des Bethsaida, andere wollen Fussballer wie Messi werden. Von dem 17-jährigen Febin behaupten die anderen, er würde einmal indischer Ministerpräsident werden. In der Tat, er ist sehr redegewandt und hält doch zum Abschied inne, um mich dann zu fragen, ob ich für ihn beten würde, er würde auch für mich beten.

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Einmal mit und ohne Sound

Nach drei Tagen in Öl spürte ich schon wieder ein wenig Unruhe in mir und begann Pläne für die nächsten Tage zu schmieden. Passenderweise lernte ich Theresa kennen, die sich hier bestens auskennt. So haben wir heute eine Backwaters Tour gemacht. Unser Boot wird nicht von einem Motor angetrieben, sondern nur durch einen langen Stecken fortbewegt. Lautlos gleiten wir so durch die Landschaft und können anders als die Motorboote auch in kleine Kanäle reinfahren, das grüne Dach direkt über uns.

Mein zweites Highlight war eine top gepflegte Enfield, die an der Anlegestelle stand. Als ich sie fotografierte, kam ich mit dem Besitzer ins Gespräch, der sie dann startete (geiler Klang!) und ins bessere Licht fuhr, damit ich mich mal draufsetzen konnte. Beim nächsten Indientrip muss ich definitiv auch mal selbst damit fahren!!!

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Ayurveda für Anfänger

Eine weitere Zugfahrt hat mich gestern von Kochi nach Trivandrum gebracht und weiter ins Bethsaida Hermitage. Hier will ich nun meine letzte Woche verbringen und mich ayurvedisch verwöhnen lassen.

Es ging dann auch gleich nach meiner Ankunft los mit der doctor’s consultation und kurz danach lag ich auch schon auf der Pritsche von Shilani. Sie ist keine 1.50 groß, hat entsprechend kleine Hände und ich wundere mich, welchen Druck sie damit ausüben kann. Öl fließt dabei in Mengen, natürlich auch in die Haare. Anschließend werden Kopf und Körper attraktiv verpackt und so schieben sich hier zu jeder Tageszeit blaue Kittel übers Gelände.

Ab jetzt werde ich dann immer morgens bearbeitet, und zwar vierhändig. Shilani hat sich Bindhu als Verstärkung geholt und ich ergebe mich den beiden zupackenden Damen. heute morgen gab es dann auch den ersten Stirnguss, unglaublich entspannend.

Und bei Joseph war ich auch. Er ist der Yogalehrer hier und nach drei abstinenten Wochen, war ich froh, meine Matte mal wieder ausrollen zu können. Vor allem stecken mir die zehn Tage still sitzen immer noch in den Knochen. Aber wo, wenn nicht hier könnte ich mich professionell wieder aufmöbeln lassen?

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Kardamom, Kurkuma und Kreuzkümmel

waren schon vor 3.000 Jahren begehrte Handelsware an den Küsten Keralas. Und seit Vasco da Gama* hier 1498 an Land ging, begannen auch die Portugiesen, Niederländer und Engländer beim Gewürzhandel kräftig mitzumischen. Im hiesigen jüdischen Viertel befinden sich noch heute viele Umschlagplätze und es riecht intensiv nach Ingwer, Nelken, Zimt und all den typischen Gewürzen der indischen Küche.

Die besteht hier vor allem auch aus Meeresfrüchten und Fisch, die man am Hafen fangfrisch kaufen und direkt zubereiten lassen kann. Dahinter ein weiteres Wahrzeichen: Die riesigen chinesischen Fischernetze.

Klar, dass ich heute Abend auch Fisch gegessen habe, zubereitet mit Ingwer und Knoblauch. Während ich den draussen auf der Terrasse esse, taucht erneut Bastian, der Hausherr, auf, um eine frische Blumenkette um das Jesusbild zu hängen. Ich vermute, dass auch ich vom göttlichen Segen profitieren soll.

* Vasco da Gama ist übrigens hier gestorben und zunächst auch begraben worden. Habe mir heute seine Grabplatte in der St. Francis Church angeschaut. Erst später wurden seine sterblichen Überreste nach Lissabon überführt.

Kühe auf der Landebahn

Guten Morgen aus Fort Cochin! Ich sitze beim Frühstück und neben mir hat der Hausherr gerade die Kerze am Altar entzündet – hier geht es nun definitiv katholisch zu!

Gestern war Independence Day in Indien. Am 15. August 1947 konnten die Inder erstmals die eigene Flagge am Roten Fort in Delhi hissen. Überall sind an diesem Tag die indischen Nationalfarben in jeglicher Form präsent. Definitiv ist dies aber kein guter Tag zum Reisen, denn auch die Sicherheitskontrollen sind enorm, ganz besonders an den Flughäfen.

So war es zwar anstrengend bis ich mit mehreren Flügen hier spät in Kochi angekommen bin, aber glücklicherweise sass schon auf dem Flug von Varanasi nach Delhi Rana neben mir. Eine Inderin in meinem Alter, die schon seit Jahrzehnten, erst in Dubai und jetzt in Toronto lebt. Sie ist auch ein Free lance writer (klar!) und sieht die Entwicklungen in Indien durchaus kritisch. Und so gabs viel Gesprächsstoff und für mich wieder mal neue Einblicke von einer klugen und sehr humorvollen Frau. Als der Pilot kurz vor der Landung noch einmal voll durch startet und uns wieder in der Höhe dann informiert, dass ein foreign object auf der Landebahn gewesen sei, war Ranas Kommentar: Probably a cow, haha!
Vermutlich.
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