Archiv der Kategorie: Auf der Matte

Haifa von oben

Die Dinge haben sich ein wenig überschlagen in den letzten Tagen:  höchste Zeit für ein Update! Nein, ich bin hier nicht generell mit dem Fahrrad unterwegs – nur einen Tag in Tel Aviv – und leider auch nicht mit dem Motorrad. Meine Recherchen vorher ergaben, dass es überhaupt nur einen einzigen Verleiher gibt und die Preise jenseits meines Budgets liegen. Aber wie es so ist, lernte ich im Hostel in Jaffa zwei Biker kennen, die hier leben und mir erklärten, das sei ja wohl kein Hindernis. Ich hätte mich doch auf dem Landweg nach Piräus aufmachen und von dort die Fähre nach Haifa nehmen können. Womit sie natürlich Recht haben. Alles nur eine Frage der Zeit.

Haifa war allerdings ein gutes Stichwort, denn das war ohnehin mein nächstes Ziel. In der größten Hafenstadt Israels hätte ich also mit dem Bike per Schiff ankommen können, wie schon die ersten deutschen Templer im 19.Jh. und all die Flüchtlinge, die mit Beginn der Naziherrschaft gezwungen waren, Europa zu verlassen. Haifa besitzt einen natürlichen Hafen und die Stadt zieht sich den steilen Mount Carmel hinauf. Natürlich wollte ich den Blick von ganz oben haben und da bekam ich passenderweise Besuch aus Tel Aviv. So kurvte ich dann doch auf zwei Rädern, wenn auch nur als Sozia, den Berg hinauf – auf der Rückbank einer Teneré und selbstverständlich mit Helm! Grandios war’s!

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Tel Aviv Street Art

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Die Jaffa-Kiste gibt’s nicht mehr

Als Orangen noch Apfelsinen hießen, war die dazugehörige Kiste das Symbol für unkonventionelle Einrichtung. Heute kommen aus Jaffa oder Yafo, wie die Israelis sagen, längst keine Orangen mehr, aber die über 4000 Jahre alte Stadt ist mehr als sehenswert und auch ein perfekter Standort um Tel Aviv zu erkunden – am besten mit dem Rad!

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Bethsaida hilft

Theresa ist hier bekannt wie ein bunter Hund. Sie engagiert sich im Schweizer Verein „Freundschaft mit Indien“ und ist bereits zum sechsten Mal hier im Bethsaida. Sie kennt viele der Angestellten und ihre familiären Hintergründe und unterrichtet sie auch regelmäßig in Deutsch. Ihr Verein, von dem es inzwischen auch einen deutschen Ableger gibt, unterstützt seit fast zehn Jahren die Hilfsprojekte hier vor Ort.

Genau diese vom Bethsaida initierten und finanzierten Projekte, waren für mich der Grund, mich für diese Anlage zu entscheiden. Denn so kann ich mit meinem Aufenthalt einen Teil dazu beitragen.

Heute habe ich mir das Waisenhaus der Jungen, das gleichzeitig auch eine Schule ist, persönlich angeschaut. Hier sind 250 Jungen im Alter zwischen etwa neun und 17 Jahren untergebracht. Die meisten von ihnen sind keine echten Waisen, sondern kommen aus sehr armen Familien und bekommen hier eine gute Schulbildung finanziert.
Wir treffen die Jungen nach dem regulären Unterricht und schauen uns ihre Klassen- und Schlafräume an. Die Regeln sind streng, aber so schafft fast jeder erfolgreich einen Abschluss und hat damit gute Chancen auf eine Ausbildung. Einige von ihnen wechseln danach vielleicht auf die Hotelfachschule des Bethsaida, andere wollen Fussballer wie Messi werden. Von dem 17-jährigen Febin behaupten die anderen, er würde einmal indischer Ministerpräsident werden. In der Tat, er ist sehr redegewandt und hält doch zum Abschied inne, um mich dann zu fragen, ob ich für ihn beten würde, er würde auch für mich beten.

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Ayurveda für Anfänger

Eine weitere Zugfahrt hat mich gestern von Kochi nach Trivandrum gebracht und weiter ins Bethsaida Hermitage. Hier will ich nun meine letzte Woche verbringen und mich ayurvedisch verwöhnen lassen.

Es ging dann auch gleich nach meiner Ankunft los mit der doctor’s consultation und kurz danach lag ich auch schon auf der Pritsche von Shilani. Sie ist keine 1.50 groß, hat entsprechend kleine Hände und ich wundere mich, welchen Druck sie damit ausüben kann. Öl fließt dabei in Mengen, natürlich auch in die Haare. Anschließend werden Kopf und Körper attraktiv verpackt und so schieben sich hier zu jeder Tageszeit blaue Kittel übers Gelände.

Ab jetzt werde ich dann immer morgens bearbeitet, und zwar vierhändig. Shilani hat sich Bindhu als Verstärkung geholt und ich ergebe mich den beiden zupackenden Damen. heute morgen gab es dann auch den ersten Stirnguss, unglaublich entspannend.

Und bei Joseph war ich auch. Er ist der Yogalehrer hier und nach drei abstinenten Wochen, war ich froh, meine Matte mal wieder ausrollen zu können. Vor allem stecken mir die zehn Tage still sitzen immer noch in den Knochen. Aber wo, wenn nicht hier könnte ich mich professionell wieder aufmöbeln lassen?

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Sitzen und schwitzen

Wenn man nach einer weiteren durchschwitzten Nacht morgens um 4.15h im Schein einer Taschenlampe unter einem Wasserhahn hockt und plötzlich auch kein Wasser mehr kommt, fragt man sich unweigerlich doch, wann man die richtige Abzweigung verpasst hat.

10 Tage unter einfachsten Bedingungen in völliger Abgeschiedenheit sein und schweigen, 10 Stunden am Tag sitzend auf dem Boden verbringen: das heißt zu dieser Jahreszeit zuallererst einmal 100 Stunden Sitzen und Schwitzen. Und natürlich sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der restlichen Zeit auch nicht erträglicher. Warum also hält man das durch und aus? Von den 16 Männern und acht Frauen (davon vier foreigners) gibt nur einer auf. Es ist schon erstaunlich, woran Menschen sich anpassen können und was ein starker Wille zu erreichen vermag. Ich habe gelitten, der Schweiß lief nur so an mir runter, nach vier Tagen fand auch ich als Yogi auf dem Kissen keine Position mehr, in der Rücken und Beine es irgendwie länger aushalten konnten, ich habe gezweifelt, wollte am 5. Tag aufgeben und dennoch bin ich dort geblieben. Dazu haben wieder einmal Menschen beigetragen, die ich dort kennengelernt habe.

Benjamin ist Schweizer und wir trafen uns bei der Registrierung. Danach haben wir nicht mehr sprechen können – zusätzlich sind Männer und Frauen dort auch getrennt untergebracht und können sich nur in der Dhamma Hall kurz beim Meditieren sehen. Dort haben wir aber hin und wieder ein kleines unauffälliges, aufmunterndes Nicken austauschen können.
Und Nr. 6 natürlich! Sie war meine Zellennachbarin – ich hatte die 7 – und bis wir Mittel und Wege fanden uns, auszutauschen, war sie für mich wie alle anderen Frauen auch nur eine Nummer. Am 6. Tag fand ich dann heraus, dass sie Manasi heißt und ab da haben wir die wenigen Gelegenheiten, die sich uns boten, genutzt, um uns gegenseitig bei der Stange zu halten. Ohne diese verbotene Kommunikation hätte ich vielleicht tatsächlich aufgegeben.

Was die eigentlichen Meditationen betrifft, erzähle ich gerne jedem persönlich mehr davon. Meine Erfahrungen und Erlebnissne in dieser Zeit könnte ich hier nicht annähernd angemessen wiedergeben.

Das schönste Erlebnis aber war mein gestriger Geburtstag, denn ab 10h war das Noble silence-Gebot aufgehoben und es herrschte eine unglaublich schöne Stimmung, obwohl wir natürlich weiter den täglichen Zeitplan einhalten mussten. Wir haben uns alle gegenseitig vorgestellt, alle gratulierten mir, Manasi fungierte mit ihrem perfekten Englisch als Übersetzerin, denn die meisten sprachen doch nur Hindi und alle strahlten um die Wette. Wie großartig war es, wieder zu reden und sich auch offiziell wieder austauschen zu dürfen! Diese Herzlichkeit und dass ich, auch durch Manasi, dazu gehörte, werde ich nicht vergessen.

Heute morgen dann zurück ins pralle Leben. Zu viert fahren wir zurück nach Varanasi. Ich muss mich von Manasi verabschieden, auch von der 23-jährigen Uttama, die mich gestern noch zu ihrer Hochzeit eingeladen hat. die steht zwar noch nicht fest, aber ich müsse dann einfach kommen.
Benjamin und ich trinken erstmal einen Kaffee auf der Dachterrasse vom Ganpati, wie uns der schmeckt! Wir werden uns später nochmal treffen und meinen Geburtstag ein wenig nachfeiern. Bis dahin sitze ich nach einer herrlich ausgiebigen Dusche auf meinem privaten Balkon mit Ganga View und mein treuer Freund Dil hat mir gerade einen Mango Lassi serviert. Fühle mich königlich!

PS: Danke für alle Eure lieben Geburtstagswünsche und – gedanken, die mich auf dem ein oder anderen Weg erreicht haben.

Zwei, die's geschafft haben!

Zwei, die’s geschafft haben!

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Frau K. geht wieder auf Sendung

Yeah, bin zurück! Nach 10 Tagen „noble silence“ hat die Welt mich wieder! Brauche jetzt erstmal eine richtige Dusche und ein Frühstück. Danach mehr von mir über die in vielerlei Hinsicht längsten 10 Tage meines Lebens.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wer wollte das nicht?

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Meditation is better than sitting around doing nothing

Heute ist Zeit für einen Rückblick auf meine erste Woche hier. „Incredible India“‚ damit wirbt das Land für sich und es ist wirklich ein unglaubliches Land. Es fordert einen mit seiner Fremdheit und seiner Armut, es kostet Kraft, sich der Nepper und Schlepper zu erwehren und mindestens einmal am Tag gelingt mir das nicht. Doch das ist keinen Ärger wert, denn genauso zuverlässig begegnen mir jeden Tag Menschen, deren Lächeln und Handeln mich hundertfach entschädigt. Gestern war ich wirklich etwas angeschlagen und Dil, der hier im Guesthouse arbeitet, klopfte abends an meine Tür, um mir einen frischen Ingwertee zu bringen. Er habe ihn mit seinem eigenen Ingwer zubereitet und danach würde ich mich besser fühlen. Das ist Indien!

Mit diesem Gefühl fahre ich heute nach Sarnath, eine der vier wichtigsten buddhistischen Städte. Buddha hat hier seine erste Predigt gehalten, nachdem er in Bodhgaya zur Erleuchtung gelangt war. Mit derselben Neugier, mit der ich hier bisher an alles heran gegangen bin, möchte ich dort eine 10-tätige Meditation machen und schauen, was passiert. Werde ich durchhalten? Mich aushalten? Ihr werdet es erfahren, allerdings erst danach, denn keinerlei Ablenkung soll den Prozess stören.

Wer sich für die Hintergründe dieser sogenannten Vipassana-Meditation interessiert, findet hier Infos:
Www.dhamma.org. Oder einfach „Trifft du Buddha, töte ihn!“ von Andreas Altmann lesen. Bis bald!

Varanasi heute morgen

Varanasi heute morgen

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From dusk till dawn

Ich habe zwei neue facebook-Freunde. Sie sind 18 und 21 Jahre alt und mächtig stolz, jetzt eine Freundin in Deutschland zu haben!
Deepak geht noch zur Schule und arbeitet abends im Restaurant seines Bruders. Dort war ich zum Essen – sehr lecker! – und kam mit ihm ins Gespräch über Musik und Motorradfahren, Pakistanis und Pandits („the Indian Jesus“), Familie und Freunde. Sein Freund wurde per SMS über mich informiert und tauchte dann auch kurzerhand auf, um die deutsche Frau zu sehen.Beim nächsten Mal könne ich auf die beiden auch als Travel Agents zurückgreifen. Na, also!

Wie eine Sehenswürdigkeit habe ich mich auf meiner eigenen sightseeing-Tour heute öfter gefühlt. Indische Menschen, besonders Frauen, haben mich mehr oder weniger heimlich fotografiert, manche auch ganz ausdrücklich gefragt. Erst fand ich’s noch befremdlich, aber im Sinne der friedlichen Völkerverstandigung hab ich später immer ganz souverän gelächelt.

Rotes Fort, Jama Moschee, Lotustempel, Humayun’s Tomb – alle hab ich mir heute angeschaut. Kein Verkehrsmittel gescheut, die Sonnenbrille innen beschlagen (!), vier Liter Wasser getrunken, Polizeieinsatz erlebt, einem kleinen Mädchen auf die Rolltreppe geholfen, Abzocker abblitzen lassen (nicht einfach!) und den Cricketkapitän der Delhi Daredevils kennengelernt: das war mein Tag und das soll für heute reichen!