Archiv der Kategorie: Abseits der Matte

Blaue Stunde in Agra

Heute mach ich’s kurz, weil das Netz so instabil ist. Mit dem Zug ging’s nach Agra – kleiner Vorgeschmack auf meine Nachtfahrt übermorgen. Bei Ankunft sturzbachartiger Regen, tuctuc aber da, Klamotten gewechselt, rauf aufs Dach und dann ein kühles Kingfisher – Taj Mahal (morgen!) in der Dämmerung im Hintergrund.OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Auf zwei Rädern durch Old Delhi

Mein dritter Tag: Delhi für Fortgeschrittene. Langsam gewöhne ich mich an die extrem feuchte Hitze. Mein Zimmer hängt inzwischen voller Bügel mit Klamotten zum trocknen…
Heute war ich allerdings schon ganz schön früh ganz schön durchgeschwitzt. Um 6.30h war Treffen zur Fahrrad Tour durch Old Delhi angesagt. Ich klebte bereits bevor ich überhaupt im Sattel saß.
Delhi by cycle heißt das Abenteuer. Wir starten so früh, um uns nicht dem allerschlimmsten Verkehr auszuliefern und erleben so, wie die Bewohner Old Delhis in den Tag starten. Shashi und Mukesh sind unsere guides und lotsen uns durch die Altstadt. Wir fahren klingelnd durch engste Gassen und erleben einen Angriff auf alle Sinne. Haarscharf vorbei an schlafenden Menschen, spuckenden Menschen, Menschen, die sich waschen, die ihre Wäsche waschen, die

Am Chawri Bazaar

Am Chawri Bazaar

Warten auf ein Frühstück für Obdachlose

Warten auf ein Frühstück für Obdachlose

Warten auf Kundschaft beim FriseurFrischer Chai!Cow shelterShiva alias Krishna: deshalb sind Kühe heilig rasiert werden, Kinder, die auf dem Weg zur Schule sind, andere auf dem Weg, etwas zu verkaufen, die direkt vor der Tür verkaufen, Obst, Gemüse, Rohes, Gekochtes, Schweinefüße, Hirn, ganze tote Tiere, dazwischen angebundene Ziegen, Widder, frei laufende Affen, keine Zeit zum Atemholen!
Natürlich werden auch wir beäugt, mal misstrauisch, mal neugierig, ganz oft aber auch mit einem schnellen Winken und einem Lächeln, das ich mitnehme.
Wir radeln bis zum Yamuna, nach dem Ganges der zweitheiligste Fluss Indiens. In Delhi ist er ein toter Fluss, verseucht mit allen Abwässern der Stadt, was der Verehrung aber nicht entgegensteht. In der Nähe befindet sich auch ein Cow shelter, wo kranke und missgebildete Kühe ihr Gnadenbrot bekommen.
Nach all den Eindrücken haben wir uns jetzt eine erste Stärkung verdient und trinken einen frisch zubereiteten Chai Tee. Dann wieder aufs Rad, zurück ins Gewusel der Gassen. Dort wartet zum Abschluss nach drei Stunden ein echt indisches Frühstück auf uns.
PS: in der Altstadt selbst habe ich aus Respekt nicht fotografiert.

Happy in Delhi

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Die Sonne dreht ihre Runden – und ich meine

… dieses Mal in Indien. Morgen gehts los!

MT so far2

unterwegs Auf Zwei rädern

a – allein. Bist Du allein, alone, solo, seul mit dem Motorrad unterwegs?  – Die mir mit Abstand am häufigsten gestellte Frage. Yes, I ride alone:

b – bliss. „Bliss can be a state of profound satisfaction, happiness and joy, a constant state of mind, undisturbed by gain or loss.” (Wikipedia)…  was ganz Großes also, dem ich manchmal schon sehr nahe gekommen bin. In diesen „state of mind“ haben mich vor allem die Begegnungen mit Anderen versetzt.

c – coole Schwester. Meine Copilotin.

d – Dover. 1. Etappe, konzentrieren und links fahren!

e – England. Herzlichkeit und Humor.

f – Fähren. Großartige Möglichkeit, Distanzen zu überwinden und sich langsam einem Ziel zu nähern.

g – Gardens of Heligan. Ein Dschungel (und noch viel mehr) mitten in Cornwall. Nicht nur für Schrebergärtner sehenswert 😉 www.heligan.com

h – Hostels. Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt.

i – Ibiza. Viel mehr als eine Partyinsel.

j – Jesus & Jean-Christoph. Nur zwei der Menschen, deren Umlaufbahn sich mit meiner gekreuzt hat.

k – Kreisverkehr. Gefühlte 500 „falsch-rum“ in England und mindestens ebenso viele in Spanien und Frankreich.

l – Ladegeräte, auch L wie Logistik, denn die Stromversorgung für Handy, Navi & Co. war manchmal eine Herausforderung.

m – machismo. Kann Frau auf dem Motorrad in Spanien im 21. Jahrhundert erleben.

n – Neugier. Auf andere Länder und Menschen… schon immer.

o – Offenheit, open-minded. Ohne brauche ich nicht zu verreisen – hilft auch zu Hause 😉

p – Parken. War manchmal problematisch, besonders auf steilen Straßen oder in den historischen, engen Zentren von Bilbao oder Valencia. Aber auch P wie Podolski, der Farbige im Podolski-Shirt am Bankautomat in Zaragoza…

q – Queso. All die leckeren spanischen Käsesorten….

r – Regen. Nach mehreren Tagen wirklich anstrengend, aber zum Glück dann hinter mir gelassen.

s – Sternschnuppen. Am 24. Juli, gleich zwei hintereinander!

t – Tankstellen. Fast immer Ort für kurze oder auch längere Gespräche. Unvergesslich z.B. der Engländer, der hinter mir tankt, mir von seinem tollen Urlaub in Deutschland erzählt und mir bei sturzbachartigem Regen ganz ohne Ironie „Nice vacation“ wünscht.

u – Unterricht. Eine Woche auf der Schulbank war auch dabei.

v – Verkleidung, fehlende. Bei oft starkem Wind schmerzlich vermisst.

w – Wi-Fi. Ungezählte Passwörter und Registrierungsprozeduren, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

x – orXata, oder auch Horchata. Typisches Getränk in Valencia. Sehr vitamin- und mineralreich, hergestellt aus Erdmandeln und kalt getrunken.

y – Yoga. Auf der Matte, alleine, mit anderen. Aber viel öfter noch abseits der Matte, siehe bliss. Und ganz nebenbei ein guter Ausgleich zur sitzenden Haltung auf dem Bike.

z – Zehnerschlüssel. Kam nicht zum Einsatz = Z wie Zuverlässigkeit meiner Honda.

und das ist noch nicht das Ende…

… am Wochenende gibts das große Finale. Nicht verpassen!

Mehr über Vladimirs unglaubliche Reise unter http://www.yarets.com.

Vladimir hat meine Muskeln geprüft

Vladimir und ich und meine über Wochen erprobte Helmfrisur

Irgendwie war klar, dass meine Tour nicht einfach so zu Ende geht. Als ich heute Morgen das Moped zum vorerst letzten Mal belade, steht auf einmal Vladimir neben mir. Er ist offensichtlich taubstumm und „fragt“ mich, ob dies mein Motorrad sei und ob ich es fahre. Er deutet auf Honda und verneigt sich wie ein Japaner.  Und dann verstehe ich, dass er auch Motorrad fährt und mir seine zeigen will. Ein Stück weiter steht etwas unter einer Riesenplane, das eine Goldwing vermuten lässt, aber dann kommt Vladimirs unglaubliche BMW zum Vorschein. Vor 11 Jahren ist er in Minsk gestartet und mittlerweile auf allen Kontinenten unterwegs gewesen – über 350.000 Kilometer! Aus seinem Koffer holt der jetzt 70-Jährige eine Weltkarte und diverse Fotoalben und da sich mittlerweile noch einige andere Hostelgäste um uns geschart haben, bekommt jeder was in die Hand gedrückt. Gwen aus Taiwan und Matias aus Argentinien sind genauso begeistert wie ich. Und Vladimir hat, wie auch auf allen Fotos, die wir von ihm sehen, Spaß ohne Ende. Eine Stunde später verabschieden wir uns und Vladimir prüft zum Abschluß meine Oberarme – Test bestanden, ich darf fahren! – und dann hebt er mich noch hoch in die Luft. Wahrscheinlich macht man das in Weißrussland so …

Fan von Vladimir und vom FC Köln: der Argentinier Matias

... seit 11 Jahren on the road

Kölle in Sicht

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Der letzte Abend meiner Reise! Komisches Gefühl. Ich bin noch einmal ins Hostel gegangen, das passt. Es ist ein milder Abend und rund um mich nochmal Menschen aus den verschiedensten Ländern. Morgen Abend wird alles wieder vertraut sein… und ihr werdet von mir hören, ob ich den Wiedereinstieg schaffen werde 😉

Nochmal ins Wasser…

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… wollte ich unbedingt und bin gestern von Besançon in die Vogesen, an den Lac Gérardmer gefahren. Nachmittags verschwand dann die Sonne schon öfters hinter den Wolken, aber schwimmen konnte man trotzdem noch!
Und auch eben bin ich nochmal rein 🙂 Sonne ist jetzt keine mehr zu sehen, scheint so, als ob ich langsam Richtung Heimat komme…

I am happy to meet you

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Von gestern auf heute hat sich die Landschaft mächtig gewandelt. Entlang der Straßen, die in meiner Karte alle grün markiert waren, lagen gestern morgen malerische Bergdörfer, Kühe auf den Weiden, der Geruch von frischem Heu – Heidi pur!
Nach und nach fuhr ich wieder in flachere Gefilde, verließ den Jura und übernachtete in Besançon. Besançon… das erinnerte mich an die ersten Ferien in Frankreich und Spanien. Auf der Rückfahrt, die „autoroute du soleil“, das klang noch irgendwie nach Urlaub, aber dann Besançon, Mulhouse… da war Deutschland nicht mehr weit und die Ferien bald zu Ende.

Wie auch jetzt. Aber dieses Mal nutze ich die Chance für einen stopp und mache abends noch eine kleinen Rundgang durch die Altstadt. Viel sehe ich nicht mehr und will heute morgen noch ein wenig herumstreifen. Aber es kommt mal wieder anders.
Ich frühstücke eigentlich nie im Hotel sondern nehme lieber einen Kaffee, und was auch immer dazu, draussen. Heute morgen sass ich also vor dem alten Rathaus und am Tisch neben mir eine Frau. Sie dreht sich eine Zigarette und fragt mich nach Feuer. Da kann ich nicht helfen und nach ein paar Fragen zu mir, ob ich Urlaub mache, wo ich herkomme, die sie mir jetzt auf englisch stellt, ist unser Gespräch erstmal beendet.
Ich hole mein Notizbuch heraus um die letzten Tage mal wieder ein wenig nachzuhalten, da höre ich plötzlich „I am happy to meet you“. Ich lege mein Notizbuch auf Seite und erfahre in der nächsten halben Stunde, was sie bewegt, was sie fröhlich macht, was sie traurig macht. Die reine Lebensphilosophie, unverlangt eingesandt – was ist dagegen eine Stadtbesichtigung? Are YOU happy, bei ihr klingt es immer wie äppy, fragt sie mich zum Schluss. Ich denke, wann fragt man das mal einen anderen wirklich ehrlich?