Archiv der Kategorie: Abseits der Matte

Jerusalem! Jerusalem!

In acht Stunden zu Fuss durch die Altstadt und Ostjerusalem heißt, eine Reise durch die Religionen der Welt zu machen. So viel heilige Stätten auf überschaubarem Raum, die dann auch noch von mehreren Religionen für sich beansprucht werden, das kann eigentlich nur zu Konflikten führen. An neuralgischen Punkten ist denn auch immer wieder Militär präsent und auch ich habe mich im Laufe meiner Reise – fast – an den Anblick von Soldaten mit Maschinengewehren gewöhnt.

Hier heute unterwegs zu sein, bedeutet Feiertagsstimmung im jüdischen Viertel wegen Shabbat, während im muslimischen Teil der Samstag den lebhaften und lautstarken Auftakt zum Wochenbeginn markiert. Faszinierend und anstrengend zugleich ist diese Mischung und darauf genehmige ich mir nach der Rückkehr erstmal ein kühles Goldstar!

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Mit Indien im Herzen nach Hause

Morgen früh um sechs Uhr geht mein Flieger nach Delhi und dann weiter nach Frankfurt. Reich beschenkt werde ich Indien verlassen, denn ich habe in den vergangenen vier Wochen hier so viele schöne und bewegende Begegnungen gehabt, die ich im Herzen behalten werde. Erinnern werde ich mich vor allem an das Lächeln der Menschen. Davon packe ich auf jeden Fall eine große Menge für Deutschland ein. Und wenn der Vorrat aufgebraucht ist, komme ich einfach wieder!

Ich verabschiede mich mit einem fetten Namaste und sage zum letzten Mal gute Nacht aus Pulinkudi.

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Einmal mit und ohne Sound

Nach drei Tagen in Öl spürte ich schon wieder ein wenig Unruhe in mir und begann Pläne für die nächsten Tage zu schmieden. Passenderweise lernte ich Theresa kennen, die sich hier bestens auskennt. So haben wir heute eine Backwaters Tour gemacht. Unser Boot wird nicht von einem Motor angetrieben, sondern nur durch einen langen Stecken fortbewegt. Lautlos gleiten wir so durch die Landschaft und können anders als die Motorboote auch in kleine Kanäle reinfahren, das grüne Dach direkt über uns.

Mein zweites Highlight war eine top gepflegte Enfield, die an der Anlegestelle stand. Als ich sie fotografierte, kam ich mit dem Besitzer ins Gespräch, der sie dann startete (geiler Klang!) und ins bessere Licht fuhr, damit ich mich mal draufsetzen konnte. Beim nächsten Indientrip muss ich definitiv auch mal selbst damit fahren!!!

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Kardamom, Kurkuma und Kreuzkümmel

waren schon vor 3.000 Jahren begehrte Handelsware an den Küsten Keralas. Und seit Vasco da Gama* hier 1498 an Land ging, begannen auch die Portugiesen, Niederländer und Engländer beim Gewürzhandel kräftig mitzumischen. Im hiesigen jüdischen Viertel befinden sich noch heute viele Umschlagplätze und es riecht intensiv nach Ingwer, Nelken, Zimt und all den typischen Gewürzen der indischen Küche.

Die besteht hier vor allem auch aus Meeresfrüchten und Fisch, die man am Hafen fangfrisch kaufen und direkt zubereiten lassen kann. Dahinter ein weiteres Wahrzeichen: Die riesigen chinesischen Fischernetze.

Klar, dass ich heute Abend auch Fisch gegessen habe, zubereitet mit Ingwer und Knoblauch. Während ich den draussen auf der Terrasse esse, taucht erneut Bastian, der Hausherr, auf, um eine frische Blumenkette um das Jesusbild zu hängen. Ich vermute, dass auch ich vom göttlichen Segen profitieren soll.

* Vasco da Gama ist übrigens hier gestorben und zunächst auch begraben worden. Habe mir heute seine Grabplatte in der St. Francis Church angeschaut. Erst später wurden seine sterblichen Überreste nach Lissabon überführt.

Kühe auf der Landebahn

Guten Morgen aus Fort Cochin! Ich sitze beim Frühstück und neben mir hat der Hausherr gerade die Kerze am Altar entzündet – hier geht es nun definitiv katholisch zu!

Gestern war Independence Day in Indien. Am 15. August 1947 konnten die Inder erstmals die eigene Flagge am Roten Fort in Delhi hissen. Überall sind an diesem Tag die indischen Nationalfarben in jeglicher Form präsent. Definitiv ist dies aber kein guter Tag zum Reisen, denn auch die Sicherheitskontrollen sind enorm, ganz besonders an den Flughäfen.

So war es zwar anstrengend bis ich mit mehreren Flügen hier spät in Kochi angekommen bin, aber glücklicherweise sass schon auf dem Flug von Varanasi nach Delhi Rana neben mir. Eine Inderin in meinem Alter, die schon seit Jahrzehnten, erst in Dubai und jetzt in Toronto lebt. Sie ist auch ein Free lance writer (klar!) und sieht die Entwicklungen in Indien durchaus kritisch. Und so gabs viel Gesprächsstoff und für mich wieder mal neue Einblicke von einer klugen und sehr humorvollen Frau. Als der Pilot kurz vor der Landung noch einmal voll durch startet und uns wieder in der Höhe dann informiert, dass ein foreign object auf der Landebahn gewesen sei, war Ranas Kommentar: Probably a cow, haha!
Vermutlich.
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Ich flieg dann auch mal los…

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Om Namah Shivaya

Die heilige Stadt Varanasi kann ich heute nicht verlassen, ohne die Götter zu erwähnen. Sie verfolgen einen auf Schritt und Tritt. In den Tempeln wuselt es permanent von Menschen und an jeder Ecke, noch im kleinsten Hauseingang, wird alles was man für jegliche Art der Zeremonie braucht, verkauft.

Für den Einstieg reicht es zu wissen, dass Shiva der wichtigste ist. Denn er soll der Legende nach die Stadt erschaffen und später die Welt sozusagen drumherum gebaut haben. Jeden Montag ist deshalb Shiva Day, an dem ihm besonders gehuldigt wird. Doch geht jeder Hindu hier jeden Morgen in einen Tempel, mitunter auch in mehrere, wie ich gestern auch nochmal bei Dilip und Dil erfragt habe.

Neben Shiva scheint die Vielfalt der Götter und ihrer Namen endlos, zumal sie alle auch Frauen haben, die ihrerseits auch wechselnde Namen haben. Am besten lässt man sich einfach mit treiben und nimmt die Stimmung auf, wie wir es gestern Abend getan haben. Und ja: genauso wenig konnte ich hier los, ohne einmal mit den Füßen im heiligen Ganges gewesen zu sein, braune Brühe hin oder her!

Heute Mittag nun verlasse ich den Norden und mache mich auf nach Kerala im Süden Indiens.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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God is one – Nirwana für alle

Nach 13,5 Stunden im Marudhar Express komme ich ziemlich fertig in Varanasi an. An Schlaf war eher weniger zu denken, denn die ganze Nacht steigen immer wieder Menschen ein und aus und um 3h war in meinem Abteil Alarm angesagt, denn die über und neben mir schlafende indische Familie stieg mit ungefähr 20 Gepäckstücken lautstark aus. Und da der Wagen überwiegend mit Männern besetzt war: egal, wo auf der Welt, das verlässlichste ist, dass Männer schnarchen!

Varanasi! Heiligste der heiligen Hindustädte und eine der ältesten Städte der Welt, toppt alles, was ich bisher gesehen habe. Unvorstellbar der Auftrieb, der Gestank, die Hitze. Der Ganges führt soviel Wasser, wie schon seit acht Jahren nicht mehr und so findet alles, was sich sonst am Fluss abspielt in den ohnehin schon mehr als engen Altstadtgassen statt. Der Weg zu meinem Guesthouse mittendrin ist nach der langen Fahrt und auf meinen leeren Magen nicht ohne und so brauche ich erstmal ein paar Stunden Ruhe.

Doch selbst danach fordert die Führung mit Dilip zu den Verbrennungsstätten meine ganze Energie, denn an frische Luft ist nicht zu denken. Er führt mich zum Manikarnika Ghat, dem bedeutendsten Ort für die Totenverbrennung. Ein Brahmane, also jemand aus der höchsten Kaste, erklärt mir die ganze Zeremonie. Während wir dort stehen, werden mehrere Tote, eingewickelt in die schönsten Saris und Tücher an uns vorbeigetragen. Das Schichten des Holzes ist eine spezielle Kunst, die Menge hängt natürlich von der Größe des Körpers ab. Zwischen 150 und 250 Tote werden hier täglich verbrannt. Für einen Hindu ist die Verbrennung am Ganges in Varanasi das höchste, denn von hier steigt seine Seele unmittelbar ins Nirwana, sozusagen ohne Umwege. Aber auch Menschen anderer Religionen lassen sich an diesem heiligen Ort verbrennen. „God is one“, sagt der Brahmane zu mir.
Direkt am Feuer sind übrigens nur Männer erlaubt, Frauen weinen zu leicht und das darf auf keinen Fall passieren, denn dann kann die Seele nicht ungehindert aufsteigen.

Ich bin noch immer in einer besonderen Stimmung, während ich dies schreibe. Trotz all der Fremdheit, trotz des Gedränges, der Lautstärke und meiner aufs Äusserste geforderten Sinne, haftete dem Ganzen auch etwas unvorstellbar friedliches an und die Worte des Brahmanen haben mich berührt. So werde ich heute hoffentlich auch friedlich schlafen. Gute Nacht.

Monsun-Hochwasser am Ganges

Monsun-Hochwasser am Ganges

Ankunft in Varanasi

Ankunft in Varanasi

Frauen unter sich in Fatehpur

Anjum ist die erste Frau, mit der ich mich unterhalten kann. Sie ist die einzige weibliche Führerin unter 350 Männern durch die Festungsstadt Fatehpur Sikri. Wie immer denke ich, dass es kein Zufall war, dass gerade wir beide zusammentrafen. In den letzten Tagen habe ich mit Sunil und Rajeev gesprochen und viel über die männliche Sichtweise zu Beziehungen und „arranged marriages“ erfahren. Anjums sieht natürlich anders aus. Aber sie hat Glück, ihr Vater ist ein fortschrittlicher Mann und erlaubt ihr zu studieren. parallel arbeitet sie schon als Guide und möchte auch nach ihrem Geschichtsstudium in diesem Bereich bleiben. Mal sehen, wie es nach der Hochzeit, die trotzdem irgendwann anstehen wird, aussieht. Ich wünsche ihr viel
Glück!

Fatehpur Sikri war faszinierend und ist auch heute noch ein Pilgerziel für Menschen aller Religionen. Der damalige Herrscher hatte drei Hauptfrauen, eine Muslimin, eine Christin und eine Hindi, praktische Lösung, wie ich finde.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Heute Abend nehme ich den Nachtzug, nein, nicht nach Lissabon, sondern nach Varanasi. Goodbye Agra!

No sun, no power, no worry

Hari, mein Tuctucfahrer, erwartet mich um 5.30h. Sonnenaufgang am Taj Mahal ist geplant. Halb Agra scheint so früh schon unterwegs zu sein, es wimmelt bereits vor Menschen, Tieren und den üblichen Verkehrsmitteln. Rein durchs Westgate und dann endlich DER Blick! Allein die Sonne weigerte sich, wahrscheinlich weil die ganze Schönheit dann gar nicht auszuhalten gewesen wäre. Es ist auch so der Wahnsinn!

Dann erstmal Frühstück, bevor es zum Roten Fort geht. das ist noch bedeutender als das in Delhi und ein Labyrinth von Palästen und Moscheen. Baby Taj heißt unsere nächste Station im Volksmund, weil es die kleine Ausgabe des TM ist. An Mausoleen mangelt es hier wirklich nicht und so müssen viele Fotos gemacht werden. Für indische Familien war es aber heute genauso spannend ein Erinnerungsfoto mit der westlichen Frau zu bekommen und wir haben viel gelacht dabei.

Später bringt Hari mich auf die andere Seite des Yamuna und tatsächlich werde ich dort noch mit einer wunderbaren Aussicht auf ein Taj in der Nachmittagssonne beschenkt.

Nach 8 Stunden Stromausfall gibt es nun auch wieder power, im Laufe des Tages klärt sich doch irgendwie alles, don’t worry.