Monatsarchiv: August 2013

Wer wollte das nicht?

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Meditation is better than sitting around doing nothing

Heute ist Zeit für einen Rückblick auf meine erste Woche hier. „Incredible India“‚ damit wirbt das Land für sich und es ist wirklich ein unglaubliches Land. Es fordert einen mit seiner Fremdheit und seiner Armut, es kostet Kraft, sich der Nepper und Schlepper zu erwehren und mindestens einmal am Tag gelingt mir das nicht. Doch das ist keinen Ärger wert, denn genauso zuverlässig begegnen mir jeden Tag Menschen, deren Lächeln und Handeln mich hundertfach entschädigt. Gestern war ich wirklich etwas angeschlagen und Dil, der hier im Guesthouse arbeitet, klopfte abends an meine Tür, um mir einen frischen Ingwertee zu bringen. Er habe ihn mit seinem eigenen Ingwer zubereitet und danach würde ich mich besser fühlen. Das ist Indien!

Mit diesem Gefühl fahre ich heute nach Sarnath, eine der vier wichtigsten buddhistischen Städte. Buddha hat hier seine erste Predigt gehalten, nachdem er in Bodhgaya zur Erleuchtung gelangt war. Mit derselben Neugier, mit der ich hier bisher an alles heran gegangen bin, möchte ich dort eine 10-tätige Meditation machen und schauen, was passiert. Werde ich durchhalten? Mich aushalten? Ihr werdet es erfahren, allerdings erst danach, denn keinerlei Ablenkung soll den Prozess stören.

Wer sich für die Hintergründe dieser sogenannten Vipassana-Meditation interessiert, findet hier Infos:
Www.dhamma.org. Oder einfach „Trifft du Buddha, töte ihn!“ von Andreas Altmann lesen. Bis bald!

Varanasi heute morgen

Varanasi heute morgen

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God is one – Nirwana für alle

Nach 13,5 Stunden im Marudhar Express komme ich ziemlich fertig in Varanasi an. An Schlaf war eher weniger zu denken, denn die ganze Nacht steigen immer wieder Menschen ein und aus und um 3h war in meinem Abteil Alarm angesagt, denn die über und neben mir schlafende indische Familie stieg mit ungefähr 20 Gepäckstücken lautstark aus. Und da der Wagen überwiegend mit Männern besetzt war: egal, wo auf der Welt, das verlässlichste ist, dass Männer schnarchen!

Varanasi! Heiligste der heiligen Hindustädte und eine der ältesten Städte der Welt, toppt alles, was ich bisher gesehen habe. Unvorstellbar der Auftrieb, der Gestank, die Hitze. Der Ganges führt soviel Wasser, wie schon seit acht Jahren nicht mehr und so findet alles, was sich sonst am Fluss abspielt in den ohnehin schon mehr als engen Altstadtgassen statt. Der Weg zu meinem Guesthouse mittendrin ist nach der langen Fahrt und auf meinen leeren Magen nicht ohne und so brauche ich erstmal ein paar Stunden Ruhe.

Doch selbst danach fordert die Führung mit Dilip zu den Verbrennungsstätten meine ganze Energie, denn an frische Luft ist nicht zu denken. Er führt mich zum Manikarnika Ghat, dem bedeutendsten Ort für die Totenverbrennung. Ein Brahmane, also jemand aus der höchsten Kaste, erklärt mir die ganze Zeremonie. Während wir dort stehen, werden mehrere Tote, eingewickelt in die schönsten Saris und Tücher an uns vorbeigetragen. Das Schichten des Holzes ist eine spezielle Kunst, die Menge hängt natürlich von der Größe des Körpers ab. Zwischen 150 und 250 Tote werden hier täglich verbrannt. Für einen Hindu ist die Verbrennung am Ganges in Varanasi das höchste, denn von hier steigt seine Seele unmittelbar ins Nirwana, sozusagen ohne Umwege. Aber auch Menschen anderer Religionen lassen sich an diesem heiligen Ort verbrennen. „God is one“, sagt der Brahmane zu mir.
Direkt am Feuer sind übrigens nur Männer erlaubt, Frauen weinen zu leicht und das darf auf keinen Fall passieren, denn dann kann die Seele nicht ungehindert aufsteigen.

Ich bin noch immer in einer besonderen Stimmung, während ich dies schreibe. Trotz all der Fremdheit, trotz des Gedränges, der Lautstärke und meiner aufs Äusserste geforderten Sinne, haftete dem Ganzen auch etwas unvorstellbar friedliches an und die Worte des Brahmanen haben mich berührt. So werde ich heute hoffentlich auch friedlich schlafen. Gute Nacht.

Monsun-Hochwasser am Ganges

Monsun-Hochwasser am Ganges

Ankunft in Varanasi

Ankunft in Varanasi

Frauen unter sich in Fatehpur

Anjum ist die erste Frau, mit der ich mich unterhalten kann. Sie ist die einzige weibliche Führerin unter 350 Männern durch die Festungsstadt Fatehpur Sikri. Wie immer denke ich, dass es kein Zufall war, dass gerade wir beide zusammentrafen. In den letzten Tagen habe ich mit Sunil und Rajeev gesprochen und viel über die männliche Sichtweise zu Beziehungen und „arranged marriages“ erfahren. Anjums sieht natürlich anders aus. Aber sie hat Glück, ihr Vater ist ein fortschrittlicher Mann und erlaubt ihr zu studieren. parallel arbeitet sie schon als Guide und möchte auch nach ihrem Geschichtsstudium in diesem Bereich bleiben. Mal sehen, wie es nach der Hochzeit, die trotzdem irgendwann anstehen wird, aussieht. Ich wünsche ihr viel
Glück!

Fatehpur Sikri war faszinierend und ist auch heute noch ein Pilgerziel für Menschen aller Religionen. Der damalige Herrscher hatte drei Hauptfrauen, eine Muslimin, eine Christin und eine Hindi, praktische Lösung, wie ich finde.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Heute Abend nehme ich den Nachtzug, nein, nicht nach Lissabon, sondern nach Varanasi. Goodbye Agra!