Wenn man nach einer weiteren durchschwitzten Nacht morgens um 4.15h im Schein einer Taschenlampe unter einem Wasserhahn hockt und plötzlich auch kein Wasser mehr kommt, fragt man sich unweigerlich doch, wann man die richtige Abzweigung verpasst hat.
10 Tage unter einfachsten Bedingungen in völliger Abgeschiedenheit sein und schweigen, 10 Stunden am Tag sitzend auf dem Boden verbringen: das heißt zu dieser Jahreszeit zuallererst einmal 100 Stunden Sitzen und Schwitzen. Und natürlich sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der restlichen Zeit auch nicht erträglicher. Warum also hält man das durch und aus? Von den 16 Männern und acht Frauen (davon vier foreigners) gibt nur einer auf. Es ist schon erstaunlich, woran Menschen sich anpassen können und was ein starker Wille zu erreichen vermag. Ich habe gelitten, der Schweiß lief nur so an mir runter, nach vier Tagen fand auch ich als Yogi auf dem Kissen keine Position mehr, in der Rücken und Beine es irgendwie länger aushalten konnten, ich habe gezweifelt, wollte am 5. Tag aufgeben und dennoch bin ich dort geblieben. Dazu haben wieder einmal Menschen beigetragen, die ich dort kennengelernt habe.
Benjamin ist Schweizer und wir trafen uns bei der Registrierung. Danach haben wir nicht mehr sprechen können – zusätzlich sind Männer und Frauen dort auch getrennt untergebracht und können sich nur in der Dhamma Hall kurz beim Meditieren sehen. Dort haben wir aber hin und wieder ein kleines unauffälliges, aufmunterndes Nicken austauschen können.
Und Nr. 6 natürlich! Sie war meine Zellennachbarin – ich hatte die 7 – und bis wir Mittel und Wege fanden uns, auszutauschen, war sie für mich wie alle anderen Frauen auch nur eine Nummer. Am 6. Tag fand ich dann heraus, dass sie Manasi heißt und ab da haben wir die wenigen Gelegenheiten, die sich uns boten, genutzt, um uns gegenseitig bei der Stange zu halten. Ohne diese verbotene Kommunikation hätte ich vielleicht tatsächlich aufgegeben.
Was die eigentlichen Meditationen betrifft, erzähle ich gerne jedem persönlich mehr davon. Meine Erfahrungen und Erlebnissne in dieser Zeit könnte ich hier nicht annähernd angemessen wiedergeben.
Das schönste Erlebnis aber war mein gestriger Geburtstag, denn ab 10h war das Noble silence-Gebot aufgehoben und es herrschte eine unglaublich schöne Stimmung, obwohl wir natürlich weiter den täglichen Zeitplan einhalten mussten. Wir haben uns alle gegenseitig vorgestellt, alle gratulierten mir, Manasi fungierte mit ihrem perfekten Englisch als Übersetzerin, denn die meisten sprachen doch nur Hindi und alle strahlten um die Wette. Wie großartig war es, wieder zu reden und sich auch offiziell wieder austauschen zu dürfen! Diese Herzlichkeit und dass ich, auch durch Manasi, dazu gehörte, werde ich nicht vergessen.
Heute morgen dann zurück ins pralle Leben. Zu viert fahren wir zurück nach Varanasi. Ich muss mich von Manasi verabschieden, auch von der 23-jährigen Uttama, die mich gestern noch zu ihrer Hochzeit eingeladen hat. die steht zwar noch nicht fest, aber ich müsse dann einfach kommen.
Benjamin und ich trinken erstmal einen Kaffee auf der Dachterrasse vom Ganpati, wie uns der schmeckt! Wir werden uns später nochmal treffen und meinen Geburtstag ein wenig nachfeiern. Bis dahin sitze ich nach einer herrlich ausgiebigen Dusche auf meinem privaten Balkon mit Ganga View und mein treuer Freund Dil hat mir gerade einen Mango Lassi serviert. Fühle mich königlich!
PS: Danke für alle Eure lieben Geburtstagswünsche und – gedanken, die mich auf dem ein oder anderen Weg erreicht haben.

Zwei, die’s geschafft haben!

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