Monatsarchiv: August 2013

Mit Indien im Herzen nach Hause

Morgen früh um sechs Uhr geht mein Flieger nach Delhi und dann weiter nach Frankfurt. Reich beschenkt werde ich Indien verlassen, denn ich habe in den vergangenen vier Wochen hier so viele schöne und bewegende Begegnungen gehabt, die ich im Herzen behalten werde. Erinnern werde ich mich vor allem an das Lächeln der Menschen. Davon packe ich auf jeden Fall eine große Menge für Deutschland ein. Und wenn der Vorrat aufgebraucht ist, komme ich einfach wieder!

Ich verabschiede mich mit einem fetten Namaste und sage zum letzten Mal gute Nacht aus Pulinkudi.

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Bethsaida hilft

Theresa ist hier bekannt wie ein bunter Hund. Sie engagiert sich im Schweizer Verein „Freundschaft mit Indien“ und ist bereits zum sechsten Mal hier im Bethsaida. Sie kennt viele der Angestellten und ihre familiären Hintergründe und unterrichtet sie auch regelmäßig in Deutsch. Ihr Verein, von dem es inzwischen auch einen deutschen Ableger gibt, unterstützt seit fast zehn Jahren die Hilfsprojekte hier vor Ort.

Genau diese vom Bethsaida initierten und finanzierten Projekte, waren für mich der Grund, mich für diese Anlage zu entscheiden. Denn so kann ich mit meinem Aufenthalt einen Teil dazu beitragen.

Heute habe ich mir das Waisenhaus der Jungen, das gleichzeitig auch eine Schule ist, persönlich angeschaut. Hier sind 250 Jungen im Alter zwischen etwa neun und 17 Jahren untergebracht. Die meisten von ihnen sind keine echten Waisen, sondern kommen aus sehr armen Familien und bekommen hier eine gute Schulbildung finanziert.
Wir treffen die Jungen nach dem regulären Unterricht und schauen uns ihre Klassen- und Schlafräume an. Die Regeln sind streng, aber so schafft fast jeder erfolgreich einen Abschluss und hat damit gute Chancen auf eine Ausbildung. Einige von ihnen wechseln danach vielleicht auf die Hotelfachschule des Bethsaida, andere wollen Fussballer wie Messi werden. Von dem 17-jährigen Febin behaupten die anderen, er würde einmal indischer Ministerpräsident werden. In der Tat, er ist sehr redegewandt und hält doch zum Abschied inne, um mich dann zu fragen, ob ich für ihn beten würde, er würde auch für mich beten.

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Einmal mit und ohne Sound

Nach drei Tagen in Öl spürte ich schon wieder ein wenig Unruhe in mir und begann Pläne für die nächsten Tage zu schmieden. Passenderweise lernte ich Theresa kennen, die sich hier bestens auskennt. So haben wir heute eine Backwaters Tour gemacht. Unser Boot wird nicht von einem Motor angetrieben, sondern nur durch einen langen Stecken fortbewegt. Lautlos gleiten wir so durch die Landschaft und können anders als die Motorboote auch in kleine Kanäle reinfahren, das grüne Dach direkt über uns.

Mein zweites Highlight war eine top gepflegte Enfield, die an der Anlegestelle stand. Als ich sie fotografierte, kam ich mit dem Besitzer ins Gespräch, der sie dann startete (geiler Klang!) und ins bessere Licht fuhr, damit ich mich mal draufsetzen konnte. Beim nächsten Indientrip muss ich definitiv auch mal selbst damit fahren!!!

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Ayurveda für Anfänger

Eine weitere Zugfahrt hat mich gestern von Kochi nach Trivandrum gebracht und weiter ins Bethsaida Hermitage. Hier will ich nun meine letzte Woche verbringen und mich ayurvedisch verwöhnen lassen.

Es ging dann auch gleich nach meiner Ankunft los mit der doctor’s consultation und kurz danach lag ich auch schon auf der Pritsche von Shilani. Sie ist keine 1.50 groß, hat entsprechend kleine Hände und ich wundere mich, welchen Druck sie damit ausüben kann. Öl fließt dabei in Mengen, natürlich auch in die Haare. Anschließend werden Kopf und Körper attraktiv verpackt und so schieben sich hier zu jeder Tageszeit blaue Kittel übers Gelände.

Ab jetzt werde ich dann immer morgens bearbeitet, und zwar vierhändig. Shilani hat sich Bindhu als Verstärkung geholt und ich ergebe mich den beiden zupackenden Damen. heute morgen gab es dann auch den ersten Stirnguss, unglaublich entspannend.

Und bei Joseph war ich auch. Er ist der Yogalehrer hier und nach drei abstinenten Wochen, war ich froh, meine Matte mal wieder ausrollen zu können. Vor allem stecken mir die zehn Tage still sitzen immer noch in den Knochen. Aber wo, wenn nicht hier könnte ich mich professionell wieder aufmöbeln lassen?

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Kardamom, Kurkuma und Kreuzkümmel

waren schon vor 3.000 Jahren begehrte Handelsware an den Küsten Keralas. Und seit Vasco da Gama* hier 1498 an Land ging, begannen auch die Portugiesen, Niederländer und Engländer beim Gewürzhandel kräftig mitzumischen. Im hiesigen jüdischen Viertel befinden sich noch heute viele Umschlagplätze und es riecht intensiv nach Ingwer, Nelken, Zimt und all den typischen Gewürzen der indischen Küche.

Die besteht hier vor allem auch aus Meeresfrüchten und Fisch, die man am Hafen fangfrisch kaufen und direkt zubereiten lassen kann. Dahinter ein weiteres Wahrzeichen: Die riesigen chinesischen Fischernetze.

Klar, dass ich heute Abend auch Fisch gegessen habe, zubereitet mit Ingwer und Knoblauch. Während ich den draussen auf der Terrasse esse, taucht erneut Bastian, der Hausherr, auf, um eine frische Blumenkette um das Jesusbild zu hängen. Ich vermute, dass auch ich vom göttlichen Segen profitieren soll.

* Vasco da Gama ist übrigens hier gestorben und zunächst auch begraben worden. Habe mir heute seine Grabplatte in der St. Francis Church angeschaut. Erst später wurden seine sterblichen Überreste nach Lissabon überführt.

Kühe auf der Landebahn

Guten Morgen aus Fort Cochin! Ich sitze beim Frühstück und neben mir hat der Hausherr gerade die Kerze am Altar entzündet – hier geht es nun definitiv katholisch zu!

Gestern war Independence Day in Indien. Am 15. August 1947 konnten die Inder erstmals die eigene Flagge am Roten Fort in Delhi hissen. Überall sind an diesem Tag die indischen Nationalfarben in jeglicher Form präsent. Definitiv ist dies aber kein guter Tag zum Reisen, denn auch die Sicherheitskontrollen sind enorm, ganz besonders an den Flughäfen.

So war es zwar anstrengend bis ich mit mehreren Flügen hier spät in Kochi angekommen bin, aber glücklicherweise sass schon auf dem Flug von Varanasi nach Delhi Rana neben mir. Eine Inderin in meinem Alter, die schon seit Jahrzehnten, erst in Dubai und jetzt in Toronto lebt. Sie ist auch ein Free lance writer (klar!) und sieht die Entwicklungen in Indien durchaus kritisch. Und so gabs viel Gesprächsstoff und für mich wieder mal neue Einblicke von einer klugen und sehr humorvollen Frau. Als der Pilot kurz vor der Landung noch einmal voll durch startet und uns wieder in der Höhe dann informiert, dass ein foreign object auf der Landebahn gewesen sei, war Ranas Kommentar: Probably a cow, haha!
Vermutlich.
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Ich flieg dann auch mal los…

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Om Namah Shivaya

Die heilige Stadt Varanasi kann ich heute nicht verlassen, ohne die Götter zu erwähnen. Sie verfolgen einen auf Schritt und Tritt. In den Tempeln wuselt es permanent von Menschen und an jeder Ecke, noch im kleinsten Hauseingang, wird alles was man für jegliche Art der Zeremonie braucht, verkauft.

Für den Einstieg reicht es zu wissen, dass Shiva der wichtigste ist. Denn er soll der Legende nach die Stadt erschaffen und später die Welt sozusagen drumherum gebaut haben. Jeden Montag ist deshalb Shiva Day, an dem ihm besonders gehuldigt wird. Doch geht jeder Hindu hier jeden Morgen in einen Tempel, mitunter auch in mehrere, wie ich gestern auch nochmal bei Dilip und Dil erfragt habe.

Neben Shiva scheint die Vielfalt der Götter und ihrer Namen endlos, zumal sie alle auch Frauen haben, die ihrerseits auch wechselnde Namen haben. Am besten lässt man sich einfach mit treiben und nimmt die Stimmung auf, wie wir es gestern Abend getan haben. Und ja: genauso wenig konnte ich hier los, ohne einmal mit den Füßen im heiligen Ganges gewesen zu sein, braune Brühe hin oder her!

Heute Mittag nun verlasse ich den Norden und mache mich auf nach Kerala im Süden Indiens.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Sitzen und schwitzen

Wenn man nach einer weiteren durchschwitzten Nacht morgens um 4.15h im Schein einer Taschenlampe unter einem Wasserhahn hockt und plötzlich auch kein Wasser mehr kommt, fragt man sich unweigerlich doch, wann man die richtige Abzweigung verpasst hat.

10 Tage unter einfachsten Bedingungen in völliger Abgeschiedenheit sein und schweigen, 10 Stunden am Tag sitzend auf dem Boden verbringen: das heißt zu dieser Jahreszeit zuallererst einmal 100 Stunden Sitzen und Schwitzen. Und natürlich sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der restlichen Zeit auch nicht erträglicher. Warum also hält man das durch und aus? Von den 16 Männern und acht Frauen (davon vier foreigners) gibt nur einer auf. Es ist schon erstaunlich, woran Menschen sich anpassen können und was ein starker Wille zu erreichen vermag. Ich habe gelitten, der Schweiß lief nur so an mir runter, nach vier Tagen fand auch ich als Yogi auf dem Kissen keine Position mehr, in der Rücken und Beine es irgendwie länger aushalten konnten, ich habe gezweifelt, wollte am 5. Tag aufgeben und dennoch bin ich dort geblieben. Dazu haben wieder einmal Menschen beigetragen, die ich dort kennengelernt habe.

Benjamin ist Schweizer und wir trafen uns bei der Registrierung. Danach haben wir nicht mehr sprechen können – zusätzlich sind Männer und Frauen dort auch getrennt untergebracht und können sich nur in der Dhamma Hall kurz beim Meditieren sehen. Dort haben wir aber hin und wieder ein kleines unauffälliges, aufmunterndes Nicken austauschen können.
Und Nr. 6 natürlich! Sie war meine Zellennachbarin – ich hatte die 7 – und bis wir Mittel und Wege fanden uns, auszutauschen, war sie für mich wie alle anderen Frauen auch nur eine Nummer. Am 6. Tag fand ich dann heraus, dass sie Manasi heißt und ab da haben wir die wenigen Gelegenheiten, die sich uns boten, genutzt, um uns gegenseitig bei der Stange zu halten. Ohne diese verbotene Kommunikation hätte ich vielleicht tatsächlich aufgegeben.

Was die eigentlichen Meditationen betrifft, erzähle ich gerne jedem persönlich mehr davon. Meine Erfahrungen und Erlebnissne in dieser Zeit könnte ich hier nicht annähernd angemessen wiedergeben.

Das schönste Erlebnis aber war mein gestriger Geburtstag, denn ab 10h war das Noble silence-Gebot aufgehoben und es herrschte eine unglaublich schöne Stimmung, obwohl wir natürlich weiter den täglichen Zeitplan einhalten mussten. Wir haben uns alle gegenseitig vorgestellt, alle gratulierten mir, Manasi fungierte mit ihrem perfekten Englisch als Übersetzerin, denn die meisten sprachen doch nur Hindi und alle strahlten um die Wette. Wie großartig war es, wieder zu reden und sich auch offiziell wieder austauschen zu dürfen! Diese Herzlichkeit und dass ich, auch durch Manasi, dazu gehörte, werde ich nicht vergessen.

Heute morgen dann zurück ins pralle Leben. Zu viert fahren wir zurück nach Varanasi. Ich muss mich von Manasi verabschieden, auch von der 23-jährigen Uttama, die mich gestern noch zu ihrer Hochzeit eingeladen hat. die steht zwar noch nicht fest, aber ich müsse dann einfach kommen.
Benjamin und ich trinken erstmal einen Kaffee auf der Dachterrasse vom Ganpati, wie uns der schmeckt! Wir werden uns später nochmal treffen und meinen Geburtstag ein wenig nachfeiern. Bis dahin sitze ich nach einer herrlich ausgiebigen Dusche auf meinem privaten Balkon mit Ganga View und mein treuer Freund Dil hat mir gerade einen Mango Lassi serviert. Fühle mich königlich!

PS: Danke für alle Eure lieben Geburtstagswünsche und – gedanken, die mich auf dem ein oder anderen Weg erreicht haben.

Zwei, die's geschafft haben!

Zwei, die’s geschafft haben!

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Frau K. geht wieder auf Sendung

Yeah, bin zurück! Nach 10 Tagen „noble silence“ hat die Welt mich wieder! Brauche jetzt erstmal eine richtige Dusche und ein Frühstück. Danach mehr von mir über die in vielerlei Hinsicht längsten 10 Tage meines Lebens.OLYMPUS DIGITAL CAMERA