Monatsarchiv: August 2011

unterwegs Auf Zwei rädern

a – allein. Bist Du allein, alone, solo, seul mit dem Motorrad unterwegs?  – Die mir mit Abstand am häufigsten gestellte Frage. Yes, I ride alone:

b – bliss. „Bliss can be a state of profound satisfaction, happiness and joy, a constant state of mind, undisturbed by gain or loss.” (Wikipedia)…  was ganz Großes also, dem ich manchmal schon sehr nahe gekommen bin. In diesen „state of mind“ haben mich vor allem die Begegnungen mit Anderen versetzt.

c – coole Schwester. Meine Copilotin.

d – Dover. 1. Etappe, konzentrieren und links fahren!

e – England. Herzlichkeit und Humor.

f – Fähren. Großartige Möglichkeit, Distanzen zu überwinden und sich langsam einem Ziel zu nähern.

g – Gardens of Heligan. Ein Dschungel (und noch viel mehr) mitten in Cornwall. Nicht nur für Schrebergärtner sehenswert 😉 www.heligan.com

h – Hostels. Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt.

i – Ibiza. Viel mehr als eine Partyinsel.

j – Jesus & Jean-Christoph. Nur zwei der Menschen, deren Umlaufbahn sich mit meiner gekreuzt hat.

k – Kreisverkehr. Gefühlte 500 „falsch-rum“ in England und mindestens ebenso viele in Spanien und Frankreich.

l – Ladegeräte, auch L wie Logistik, denn die Stromversorgung für Handy, Navi & Co. war manchmal eine Herausforderung.

m – machismo. Kann Frau auf dem Motorrad in Spanien im 21. Jahrhundert erleben.

n – Neugier. Auf andere Länder und Menschen… schon immer.

o – Offenheit, open-minded. Ohne brauche ich nicht zu verreisen – hilft auch zu Hause 😉

p – Parken. War manchmal problematisch, besonders auf steilen Straßen oder in den historischen, engen Zentren von Bilbao oder Valencia. Aber auch P wie Podolski, der Farbige im Podolski-Shirt am Bankautomat in Zaragoza…

q – Queso. All die leckeren spanischen Käsesorten….

r – Regen. Nach mehreren Tagen wirklich anstrengend, aber zum Glück dann hinter mir gelassen.

s – Sternschnuppen. Am 24. Juli, gleich zwei hintereinander!

t – Tankstellen. Fast immer Ort für kurze oder auch längere Gespräche. Unvergesslich z.B. der Engländer, der hinter mir tankt, mir von seinem tollen Urlaub in Deutschland erzählt und mir bei sturzbachartigem Regen ganz ohne Ironie „Nice vacation“ wünscht.

u – Unterricht. Eine Woche auf der Schulbank war auch dabei.

v – Verkleidung, fehlende. Bei oft starkem Wind schmerzlich vermisst.

w – Wi-Fi. Ungezählte Passwörter und Registrierungsprozeduren, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

x – orXata, oder auch Horchata. Typisches Getränk in Valencia. Sehr vitamin- und mineralreich, hergestellt aus Erdmandeln und kalt getrunken.

y – Yoga. Auf der Matte, alleine, mit anderen. Aber viel öfter noch abseits der Matte, siehe bliss. Und ganz nebenbei ein guter Ausgleich zur sitzenden Haltung auf dem Bike.

z – Zehnerschlüssel. Kam nicht zum Einsatz = Z wie Zuverlässigkeit meiner Honda.

und das ist noch nicht das Ende…

… am Wochenende gibts das große Finale. Nicht verpassen!

Mehr über Vladimirs unglaubliche Reise unter http://www.yarets.com.

Vladimir hat meine Muskeln geprüft

Vladimir und ich und meine über Wochen erprobte Helmfrisur

Irgendwie war klar, dass meine Tour nicht einfach so zu Ende geht. Als ich heute Morgen das Moped zum vorerst letzten Mal belade, steht auf einmal Vladimir neben mir. Er ist offensichtlich taubstumm und „fragt“ mich, ob dies mein Motorrad sei und ob ich es fahre. Er deutet auf Honda und verneigt sich wie ein Japaner.  Und dann verstehe ich, dass er auch Motorrad fährt und mir seine zeigen will. Ein Stück weiter steht etwas unter einer Riesenplane, das eine Goldwing vermuten lässt, aber dann kommt Vladimirs unglaubliche BMW zum Vorschein. Vor 11 Jahren ist er in Minsk gestartet und mittlerweile auf allen Kontinenten unterwegs gewesen – über 350.000 Kilometer! Aus seinem Koffer holt der jetzt 70-Jährige eine Weltkarte und diverse Fotoalben und da sich mittlerweile noch einige andere Hostelgäste um uns geschart haben, bekommt jeder was in die Hand gedrückt. Gwen aus Taiwan und Matias aus Argentinien sind genauso begeistert wie ich. Und Vladimir hat, wie auch auf allen Fotos, die wir von ihm sehen, Spaß ohne Ende. Eine Stunde später verabschieden wir uns und Vladimir prüft zum Abschluß meine Oberarme – Test bestanden, ich darf fahren! – und dann hebt er mich noch hoch in die Luft. Wahrscheinlich macht man das in Weißrussland so …

Fan von Vladimir und vom FC Köln: der Argentinier Matias

... seit 11 Jahren on the road

Kölle in Sicht

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Der letzte Abend meiner Reise! Komisches Gefühl. Ich bin noch einmal ins Hostel gegangen, das passt. Es ist ein milder Abend und rund um mich nochmal Menschen aus den verschiedensten Ländern. Morgen Abend wird alles wieder vertraut sein… und ihr werdet von mir hören, ob ich den Wiedereinstieg schaffen werde 😉

Nochmal ins Wasser…

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… wollte ich unbedingt und bin gestern von Besançon in die Vogesen, an den Lac Gérardmer gefahren. Nachmittags verschwand dann die Sonne schon öfters hinter den Wolken, aber schwimmen konnte man trotzdem noch!
Und auch eben bin ich nochmal rein 🙂 Sonne ist jetzt keine mehr zu sehen, scheint so, als ob ich langsam Richtung Heimat komme…

I am happy to meet you

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Von gestern auf heute hat sich die Landschaft mächtig gewandelt. Entlang der Straßen, die in meiner Karte alle grün markiert waren, lagen gestern morgen malerische Bergdörfer, Kühe auf den Weiden, der Geruch von frischem Heu – Heidi pur!
Nach und nach fuhr ich wieder in flachere Gefilde, verließ den Jura und übernachtete in Besançon. Besançon… das erinnerte mich an die ersten Ferien in Frankreich und Spanien. Auf der Rückfahrt, die „autoroute du soleil“, das klang noch irgendwie nach Urlaub, aber dann Besançon, Mulhouse… da war Deutschland nicht mehr weit und die Ferien bald zu Ende.

Wie auch jetzt. Aber dieses Mal nutze ich die Chance für einen stopp und mache abends noch eine kleinen Rundgang durch die Altstadt. Viel sehe ich nicht mehr und will heute morgen noch ein wenig herumstreifen. Aber es kommt mal wieder anders.
Ich frühstücke eigentlich nie im Hotel sondern nehme lieber einen Kaffee, und was auch immer dazu, draussen. Heute morgen sass ich also vor dem alten Rathaus und am Tisch neben mir eine Frau. Sie dreht sich eine Zigarette und fragt mich nach Feuer. Da kann ich nicht helfen und nach ein paar Fragen zu mir, ob ich Urlaub mache, wo ich herkomme, die sie mir jetzt auf englisch stellt, ist unser Gespräch erstmal beendet.
Ich hole mein Notizbuch heraus um die letzten Tage mal wieder ein wenig nachzuhalten, da höre ich plötzlich „I am happy to meet you“. Ich lege mein Notizbuch auf Seite und erfahre in der nächsten halben Stunde, was sie bewegt, was sie fröhlich macht, was sie traurig macht. Die reine Lebensphilosophie, unverlangt eingesandt – was ist dagegen eine Stadtbesichtigung? Are YOU happy, bei ihr klingt es immer wie äppy, fragt sie mich zum Schluss. Ich denke, wann fragt man das mal einen anderen wirklich ehrlich?

Auf Napoléons Spuren

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Aus der Badezimmerlüftung höre ich jemanden singen. Heute ist überall Musik und gute Laune in Aix-les-Bains angesagt. Gut für mich, denn mich hatte heute ein wenig die Melancholie gepackt, weil meine Reise so langsam aber sicher zu Ende geht.
Gestern musste ich Abschied vom Meer nehmen und habe mich gen Norden aufgemacht. Aix-en-Provence, Manosque, Sisteron bis nach Gap. Endlose Platanenalleen, verblühte Sonnenblumenfelder und dann die langsam näher kommenden Berge – auch Napoléon ist hier nach der Rückkehr aus Elba lang geritten, wie mir die Statue am Weg verrät. Jetzt waren hier unzählige Biker unterwegs.
Heute dann weiter durch die Hautes-Alpes über herrliche Straßen nach Grenoble und in den alten Kurort Aix-les-Bains, so ne Art französisches Baden-Baden, aber viel lebhafter.
Auf dem Lac du Bourget tummeln sich die Boote und im Zentrum sind fast alle Tische draussen besetzt. Ein paar Musiker ziehen durch die Straßen und verbreiten zusätzlich gute Stimmung. Ich genieße den schönen Abend bei Savoyer Spezialitäten und einem Rosé. Der Mann in meinem Badezimmer hat das offensichtlich auch getan…

Der Graf von Monte-Christo, Jean-François und ich

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Wo soll ich heute anfangen? Erstmal lieben Dank für all eure Glückwünsche 🙂 Leider kann ich momentan mal wieder nicht auf meinen FB-account zugreifen. FB ist auf dieser Reise immer schlauer als ich und sperrt ständig den Zugriff, weil ich mich laufend von anderen Geräten anmelde… ich hoffe aber, dass die verlinkung zum blog noch klappt!
Anfang, der zweite: heute morgen habe ich beschlossen, mal einen richtigen Touri-Tag zu machen und erstmal schön im alten Hafen von Marseille gefrühstückt. Da das Wetter nach wie vor toll ist und ich so gerne auf dem Wasser bin, wurde danach eine Bootstour nach château d’if gebucht. Als Kind habe ich den „Grafen von Monte-Christo“ verschlungen und hier soll Edmont Dantes
die 14 Jahre eingekerkert gewesen sein und dann schließlich den legendären Ausbruch geschafft haben.
Nicht geschafft hat es allerdings das Nashorn, das als Geschenk des Königs von Portugal – und der hatte es aus Indien geschenkt bekommen! – an den Papst gehen sollte. Das Schiff musste auf If einen Zwischenstopp einlegen und als es endlich weiterging, zerschellte es im Sturm und der Papst bekam ein ausgestopftes Rhino. Das sind doch Geschichten! Man soll auch wirklich keine Geschenke weitergeben!
Und Jean-François? Der erschien erst im Nachmittagsprogramm. Wie mir meine madame vom Hotel aufgemalt hatte, bin ich danach mit dem kleinen Zug – ja, ich im Touri-Zug! – zur Basilika Notre-Dame de la Garde. Ganz schön schlau meine Madame, denn die Basilika liegt hoch über der Stadt und in der Hitze den Berg hoch… und mit mir im Zug? JF! Er spricht mich auf die Aussicht an und die ist in der Tat atemberaubend. Ganz Marseille zu unseren Füßen. Und auch die Basilika haut einen innen wirklich um. Da sind wir uns einig und auch einig, danach gemeinsam das alte Viertel „le panier“ anzuschauen. Und schließlich sind wir dann auch noch zusammen essen gewesen, mit apéritif und allem drum und dran, richtig französisch halt 🙂 Da hab ich ihm dann erzählt, dass ich heute Geburtstag habe. Und so war es dann doch kein ganz normaler Tag, wie ich heute morgen noch gedacht habe.

Foto 3: Yoga? Nein, Fan-Shirt von olympique Marseille!

Von M nach M

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Montpellier hätte sicher auch eine längere Besichtigung verdient, aber auf eine weitere Nacht im Ibis – Kettenhotels wirklich nur im Notfall! – hatte ich keine Lust.
Also wieder auf die Sitzbank und los in Richtung Camargue. Schöne Strecke, aber überall Stau… und auch wenn ich daran vorbeifahren kann, macht’s nicht so viel Spaß. Nirgendwo hab ich die Hauptsaison bisher so gemerkt wie hier in Frankreich…
Ab Arles wurde es dann entspannter und da entdecke ich zufällig das Schild zur „Pont Van Gogh“ und mache den kleinen Abstecher. Dass es die Brücke noch gibt, wow! Ich bin echt begeistert, zumal ich sie ganz für mich alleine habe!
Dann: Marseille. Ankunft mitten im Berufsverkehr = Stau. Dieses Mal habe ich allerdings eine Hoteladresse und muss nur im Verkehr die nerven behalten.
Ich bin dann fast ne Stunde allein in der Stadt unterwegs, aber dann dieser Ausblick vom Zimmer auf die ganze Bucht inklusive Sonnenuntergang! Das Hotel Peron ist ein Art-Deco-Relikt und selbstverständlich schon seit Jahren überholungsbedürftig, aber dieser Charme… Madame hat bei meiner Ankunft gleich die komplette Stadtbesichtigung für mich auf dem Stadtplan aufgemalt – mit verschieden farbigen stiften. Ob ich mich morgen daran halte?
Nach zwei Tagen fahren bin ich heute erstmal wieder am strand gewesen und habe gelesen. Heute Abend wollte ich übrigens mal so richtig essen gehen, aber denkste. Kein Tisch zu kriegen, alles reserviert: Hochsaison!

Yoga im Sattel

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Gestern half mir meine yogische Gelassenheit. Und mir ist so richtig klar geworden, wie schön es ist, bisher eigentlich immer ausserhalb der Hochsaison unterwegs gewesen zu sein. Denn bis abends um halb 10 hatte ich noch keine Unterkunft. Früher waren wir ja immer im Auto unterwegs und darin konnte man ja notfalls auch pennen. Oder hatte ein Zelt dabei. Aber jetzt?
Dabei hatte der Tag so nett mit einem Cafe auf der plaza santa Susana in Girona angefangen. Weiter gings über die N 11 zur Grenze mit viel Verkehr in beide Richtungen. Viele Biker dabei und reges grüßen, was ich in Spanien ja quasi gar nicht hatte.
Als Ziel hatte ich mir Sete auserkoren und bin munter über perpignan, Narbonne und Beziers dort hin. Und ab dort und etwa 17h begann die suche nach einem Zimmer. Doch alles „complet“, Hotels, selbst die miesesten und auch die richtig teuren, und auch ein Gites, wo alle gerade gemütlich beim Abendessen saßen und ich kurz Hoffnung schöpfte, mich gleich dazu setzen zu können – rien!
So trieb mich meine suche schließlich bis Montpellier. Dort noch eine mittlere Odyssee durch die Altstadt – eine gigantische Baustelle, kein Hotel, langsam wurde es dunkel – und dann fand ich endlich ein blödes Ibis und bekam das allerletzte Zimmer!
Und trotz allem: bin total entspannt geblieben, OM!
Foto: letzte Rettung für mich und den Spanier: vor dem Ibis